The Turn Ausgabe 3 – Mensch und Unmensch

The Turn ist eine Zeitschrift für islamische Philosophie, Theologie und Mystik.

Die Zeitschrift erscheint halbjährig und kostet in gebundener Form 10 Euro (8 Euro bei einem Abonnement).
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About

Über die Ausgabe

Herausgeber

Al-Mustafa Institut Berlin

Redaktion

Michael Nestler
Prof. Dr. Mahdi Esfahani

Wissenschaftlicher Beirat

Prof. Dr. Christoph Böhr
Prof. Dr.Wolfgang Gantke
Prof. Dr.Peter Gerdsen
Prof. Dr. Eveline Goodman-Thau
Prof. Dr. Harald Seubert
Prof. Dr. Hamid Reza Yousefi

Preamble

Vorwort

Einer, der dieses ganze Leid am eigenen Leib miterleben musste, war Primo Levi, auf dessen Erfahrungsberichte als jüdisch-italienischer Auschwitz-Überlebender Daniel Krochmalniks Artikel »Experiment Mensch – Nach frühen KZ-Zeugnissen« Bezug nimmt, um dem »stummen Entsetzen«, das sich angesichts der menschlichen Schande und Schuld nicht nur in den Blicken der russischen Befreier widerzuspiegeln schien, doch irgendwie eine Sprache zu geben, wohlwissend, dass die erfahrene Unmenschlichkeit eigentlich nicht in Worte zu fassen ist. Dennoch haben die Überlebenden immer wieder versucht, wie der Beitrag wiedergibt, das Unsagbare zum Ausdruck zu bringen, der Welt zu berichten von der Entmenschlichung, die in den Lagern stattfand und die Opfer wie Täter zugleich erfasste, wenn auch auf ganz unterschiedliche und gegensätzliche Art und Weise. Die einen, indem sie voller Willkür und ohne Gewissen die Hebel einer grausamen Vernichtungsmaschinerie betätigten, um, selbst schon ganz entmenschlicht, auch noch das letzte bisschen Menschsein in ihren Opfern auszurotten. Und die anderen, die diesem tödlichen Experiment des sogenannten ›Übermenschen‹ gnadenlos ausgeliefert waren, so dass ihnen ihre Menschlichkeit innerhalb des ›KZ-Universums‹ irgendwo zwischen Hunger, Todesangst und Stacheldraht abhandengekommen war und am Ende von ihnen scheinbar nichts weiter übrigblieb als – entwester »Humanmüll«. Die erschütternden Lagererfahrungen des homo carceris in den KZs und Gulags des 20. Jahrhunderts werfen unweigerlich die Frage nach der conditio humana auf und rütteln am Selbstverständnis des Menschen als eines moralischen Wesens, das sich faktisch jederzeit in eine wütende Bestie zu verwandeln vermag, sobald man seinem Gegenüber nicht die gleiche Würde zukommen lässt wie sich selbst oder ihm gleich von vornherein jegliches Menschsein abspricht, um in irgendeiner Weise das eigene Unrecht an ihm rechtfertigen zu können. Wie ein schwarzer Faden durchzieht der Kainismus von Anfang an die Geschichte der Menschheit und bildet das hässliche Antlitz gewaltsamer und totalitärer Systeme, deren Ausgeburten unter Hitler wie Stalin nicht nur den ›neuen Übermenschen‹ kreierten, sondern im gleichen Atemzug, wie der Beitrag »Experiment Mensch« eindringlich zeigt, eine neue Art von ›Lagermensch‹, die es bis dahin noch nicht gegeben hat. 

Vom homo carceris des 20. Jahrhunderts weg, hin zu den Ursprüngen des Menschen in der Bibel richtet Birgit Zweigle den Blick mit ihrem Beitrag, wobei auch sie dem Thema »Mensch & Unmensch« nachgeht, indem sie die beiden Schöpfungsberichte in Gen 1,1-2,4a und Gen 2,4b-3,24 einer näheren und vergleichenden Betrachtung unterzieht. In der »Priesterschrift« wird der anfänglich geschaffene Mensch als ›Bild Gottes‹ vorgestellt und im »Jahwist« als eine Art »Dazwischen-Wesen aus göttlichem Atem und Materie«. Beide Attribute deuten zunächst auf eine besondere Stellung des Menschen innerhalb der Schöpfung Gottes hin, doch ist damit gleichzeitig, wie Birgit Zweigle zu bedenken gibt, ein starkes Spannungsfeld verbunden, innerhalb dessen der Mensch sich bewegt. Darin kann er ›Mensch‹ wie auch ›Unmensch‹ werden, je nachdem, ob das ›Bild Gottes‹ zu einem Zerrbild wird oder nicht. Was hierfür die Bedingungen sind und welche Konsequenzen sich daraus vor allem für die Gegenwart und unser heutiges Verständnis vom Menschen ergeben, das ergründet die Autorin anhand einer genauen Textanalyse, die ebenso klarmacht, dass das hebräische Wort ādām in der Bedeutung von »Erdling« nicht als Eigenname eines männlichen Menschen zu verstehen ist, sondern als Gattungsbezeichnung Frau und Mann zugleich beschreibt. So stellt Adam »ursprünglich eine Einheit aus männlichen und weiblichen Anteilen« dar, die erst später eine Trennung erfahren, so dass der hebräische Urtext nach dieser Deutung von einer grundsätzlichen Gleichberechtigung von Mann und Frau ausgeht, die auch an anderer Stelle sprachlich belegt wird. Damit veranschaulicht die Untersuchung zum einen, dass die Geschichte der Genesis auch nach dreitausend Jahren an Aktualität nicht verloren hat, und zum anderen, dass es nicht selten die sprachlichen wie nichtsprachlichen Fehlinterpretationen sind, die den Blick verzerren und damit zur Grundlage für das Unmenschliche werden. 

Ebenfalls als ›unmenschlich‹ oder besser gesagt als des Menschen nicht würdig kann allzu oft der Umgang des Menschen mit seiner Umwelt bezeichnet werden, besonders mit den Tieren, die gerade heutzutage unter einer an Profit orientierten Massentierhaltung stark zu leiden haben, obwohl sie laut Bibel genauso liebenswerte Geschöpfe Gottes sind wie der Mensch selbst. Daher ist es durchaus berechtigt zu fragen, warum die Goldene Regel als Grundsatz einer praktischen Ethik und das biblische Credo »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst« sich ausschließlich auf das menschliche Miteinander beziehen sollen und nicht noch ausgeweitet werden müssen auf den Umgang mit Tieren, besonders, wenn Martin Buber das ewige Du Gottes in ihnen ebenso manifestiert sieht wie im Angesicht eines jeden Mitmenschen. Mit dieser Fragestellung beschäftigt sich der Artikel von Ronen Pinkas, der aus theologischer und philosophischer Sicht den moralischen Status von Tieren im Judentum untersucht. Dabei geht seine Darstellung zunächst davon aus, dass Tiere im Gegensatz zum Menschen keinen moralischen Status haben und dass sich ein solcher schwer bestimmen lässt, jedoch sei es gerade in der heutigen Zeit die Aufgabe der Theologie, den moralischen Anthropozentrismus der Vergangenheit zumindest insofern einzudämmen, dass in der ethischen Diskussion eine neue Haltung gegenüber Tier und Natur möglich wird. Die Grundlagen hierfür finden sich nicht nur in der Bibel und in den entsprechenden rabbinischen Kommentaren, wie der Artikel verdeutlicht, sie sind vor allem auch Gegenstand von zahlreichen Diskursen der modernen jüdischen Philosophie, die nicht zuletzt mit Blick auf das Tierwohl und die Tierrechte den Verzicht auf Fleisch zum Thema haben. 

Auf die Beziehung zwischen Mensch und Tier geht auch die Abhandlung »Hinduistische Weltbilder« von Liane Wobbe ein. Ihr exemplarischer Einblick in das hinduistische Verständnis vom Wesen des Menschen und dem des Tieres offenbart vorab einige wichtige theologisch-philosophische Grundlagen und Begrifflichkeiten der hinduistischen Religion und beschreibt, wie sich das ewig Göttliche, genannt brahman, zur Welt der Materie, zum Menschen und zu den Tieren verhält. Der Idee nach ist das göttliche Selbst Inbegriff aller Lebewesen, so dass auch die Tiere eine Seele besitzen, der es aus Achtung vor dem Göttlichen gleich dem Menschen respekt- und würdevoll zu begegnen gilt. Damit formuliert der Hinduismus eine besondere Tierethik, die die menschliche und tierische Welt einander näherbringt und in eine enge Beziehung setzt, denn sie sind gemeinsam eingebunden in den Wiedergeburtenkreislauf und dem Prinzip des Karmas unterworfen. Geprägt vom Gebot der Gewaltlosigkeit gegenüber Tieren und dem daraus resultierenden Verzicht auf Fleisch spielen Tiere für die Hindus zudem im religiösen Kult eine wichtige Rolle. Dies zeigt sich vor allem an den zahlreichen mythologischen und ikonographischen Tierdarstellungen, die als Symbole des Göttlichen Verehrung erfahren und die gleichzeitig als Zeichen für die substanzielle Verbundenheit zwischen Mensch und Tier verstanden werden können. 

Weiterhin das Wesen des Menschen im Blick, diesmal aber aus koranischer Sicht, hat der Artikel von Mahdi Esfahani, mit dem sich an dieser Stelle zunächst eine Wende – um nicht zu sagen ein turn – vollzieht, und zwar hin zu anthropologischen Betrachtungsformen, die sich vornehmlich auf islamische Quellen berufen oder diese zum Gegenstand haben. Dass sich damit aber die bisher eröffneten Perspektiven auf das Thema »Mensch & Unmensch« nicht grundsätzlich verändern, sondern lediglich erweitern, das beweist gleich zu Anfang dieser Beitrag zum ›Menschenbild im Koran‹. Ausgehend von dem Begriff insān als einem von mehreren im Koran vorkommenden Begriffen für »Mensch« nähert sich der Autor zunächst etymologisch der Frage nach dem menschlichen Wesen in seinem Verhältnis zu Gott. Die verschiedenen Bedeutungen, die sich dabei auftun, lassen erkennen, dass der Mensch in seiner Wahrnehmung und Erkenntnis ein vielschichtiges Wesen darstellt, das koranisch gesehen die höchsten wie niedrigsten Seinsstufen zu umfassen vermag. Angefangen bei der Welt bis hin zu Gott befindet sich der Mensch ausschließlich in Relation, durch die sein Dasein bestimmt wird, und es erscheint nach der Lektüre dieser Studie so, dass das ganze Drama von Mensch und Unmensch allein darauf zurückgeführt werden kann, ob der Mensch als Ort göttlicher Manifestation wohl mehr der Welt oder mehr Gott zugeneigt ist und sich dadurch in ihm Gottesnähe oder Gottesferne offenbart. 

Von der inneren Vielschichtigkeit und Wandlungsfähigkeit des Menschen vermögen ebenso die Gleichnisse in Koran und Bibel zu erzählen, wenn man sie einer tiefenpsychologischen Deutung unterzieht. Diesen Versuch, psychoanalytische Kategorien auf Offenbarungswissen anzuwenden, unternimmt Nora Schmidt, indem sie auf der ›Subjektebene‹ zwei narrative Gleichnisse (amṯāl) aus dem Koran untersucht, die in Sure 36 und Sure 18 zu den unter dem Gattungsbegriff maṯal geführten ältesten koranischen Beispielen gehören. Auf den Spuren von Eugen Drewermann, der mit seinem Werk Tiefenpsychologie und Exegese die Türen weit für eine tiefenpsychologische Auslegung der Bibel öffnete und damit gleichzeitig dem Heilsversprechen historisch-kritischer Deutungsansätze eine Absage erteilte, begibt sich auch die Autorin ins weite Feld des Unbewussten, um hinter den oft gleichnishaften koranischen ›Offenbarungserlebnissen‹ seelische Bilder von Individuationsprozessen aufzudecken. Im Kontext der Psychoanalyse und mit Blick auf die Gattung des maṯal diskutiert sie die epistemische Funktion von Gleichnissen, wie sie auch im Alten und Neuen Testament vorkommen, und beschreibt sie als eine besondere Form der Lehre, die aufgrund ihrer Bildhaftigkeit immer auch einen »Abgrund zum Nichtwissen« offenbart. Ziel des Gleichnisses sei demnach nicht, ein von vornherein bestimmtes und lehrhaftes Wissen zu vermitteln, vielmehr liege der beabsichtigte Verstehensakt im Nicht-Wissen oder dem Unbewussten, damit auf Basis subjektiv-menschlicher Erfahrungen seelische Entwicklungen in Gang gesetzt und innere Prozesse erkennbar gemacht werden können. Am Beispiel von dem Gleichnis aus Sure 36 zeigt sie außerdem, dass eine tiefenpsychologische Deutung durchaus auch Bestandteil der islamischen Exegesetradition ist, vor allem wenn man die sufischen Kommentarwerke berücksichtigt, die ebenfalls Deutungen auf der Subjektebene enthalten, wie an dem vorgestellten Tafsīr des Pseudo-Ibn ʿArabī aus dem 12. Jahrhundert zu sehen ist. 

Vom Pseudo-Ibn ʿArabī zum echten Ibn ʿArabī und damit von der tiefenpsychologischen Koranexegese zu einer eher mystischen Deutung koranischer Menschenbilder führt im Anschluss der Beitrag von Michael Nestler. Im Zentrum seiner Untersuchung steht ›Adam als Stellvertreter Gottes (ḫalīfat Allāh)‹, dem in der mystischen Seinslehre von Ibn ʿArabī eine besondere Bedeutung zukommt, nämlich die eines »vollkommenen Menschen« oder des al-insān al-kāmil. Ausgehend von Q 2:30-34, wo Adam als ḫalīfat Allāh vorgestellt wird, unterzieht der Autor das Kapitel ›Adam‹ in Ibn ʿArabīs Werk Fuṣūṣ al-ḥikam einer genauen Textanalyse, die anhand dreier Beziehungsebenen, die Adam jeweils in seinem Verhältnis zur Welt, zu den Engeln und zu Gott betrachten, aufzeigt, woran sich die Vollkommenheit Adams erkennen und messen lässt. Dabei gilt Adam bei Ibn ʿArabī aber keineswegs nur als erster Mensch und Urvater der Menschheit, wie man es für den Koran und die Bibel behaupten könnte, zuallererst verkörpert er den Prototyp des Menschen beziehungsweise das menschliche Wesen an sich, das in sich die Fähigkeit trägt, die Eigenschaften Gottes so zu manifestieren, dass es die Stufe der Stellvertreterschaft und Vollkommenheit zu verwirklichen vermag. Hierin begründet sich letztlich die besondere Würde des Menschen, wie sie auch im Koran zum Ausdruck kommt, allerdings, so scheint es, ist damit auch eine große Bürde verbunden, die – menschlich oder unmenschlich gesehen – nicht selten zum Anlass des Scheiterns wird. 

Nachdem die Figur Adams in den bisherigen Abhandlungen bereits mehrfach Gegenstand der Betrachtung war, und zwar in ganz unterschiedlichen Kontexten, beleuchtet nun unser studentischer Beitrag von Maassouma Dabbous den koranischen Adam aus anthropologischer und kultur-evolutionärer Perspektive. Im Mittelpunkt dabei steht das religiöse Narrativ von der Erschaffung Adams, der nach Vorstellung des Korans aus Erde bzw. Lehm entstand, beseelt durch den Geist Gottes. Dieses Narrativ unterzieht die Autorin einer kultur-evolutionären Deutung, die Adam nicht mehr als den ersten Menschen begreift, sondern als Vertreter eines neuen Menschentyps, der im Zeitalter des Neolithikums den Weg von einer zuvor nomadischen hin zu einer sesshaften und von Ackerbau und Viehzucht geprägten Lebensweise beschreitet. Dieser Interpretation zufolge muss es schon vor Adam Generationen von Menschen gegeben haben, eine Idee, die der islamischen Denkkultur nicht grundsätzlich fremd ist, denn die Vorstellung eines ›präadamitischen‹ Menschenwesens ist doch Thema einzelner Schriften und Überlieferungen, wie die Verfasserin verdeutlicht. Zudem belegt ihr Vergleich mit den Schöpfungsmythen anderer Kulturen, dass Adam als ein allgemeiner Gattungsbegriff für den Urmenschen verstanden werden kann. Damit bringt der Artikel am Beispiel des koranischen Adams ganz unterschiedliche Narrative zusammen und verknüpft diese zu einem gemeinsamen kultur-evolutionären Ganzen. 

Dass nun die Geschichte der Menschheit mit all ihren Entwicklungen, Konflikten und Kriegen von ganz unterschiedlichen Narrativen begleitet wird und eigentlich immer wieder neu die Geschichte von der Begegnung des Menschen mit dem Unmenschen erzählt, das lässt sich auch für die ›Frühgeschichte des Islams‹ behaupten, die eine Reihe von religiösen, ideologischen und machtpolitischen Auseinandersetzungen aufweist. Davon zeugt jedenfalls die Frühgeschichte des Islams von Asghar Montazeralqaim, der mit seiner historischen Darstellung versucht, die frühen Ereignisse von den Anfängen des Islams bis ins Jahr 40 nach der Hidschra nachzuzeichnen. Inwiefern dieser Versuch gelungen ist und ob bei der Rekonstruktion historischer Ereignisse und der wissenschaftlichen Auswertung der Quellen unweigerlich nicht immer auch bestimmte Narrative bedient werden, zu denen gleichzeitig Gegennarrative existieren, darauf geht in unserer Buchbesprechung die Rezension von Mohammad Gharaibeh ein. Hierin äußert er einiges an Kritik an der Darstellung des Buches, dem er eine gewisse Einseitigkeit in der Sicht auf dieses Kapitel der Geschichte vorwirft. Daher wird am Ende dem Autor selbst noch eine Stellungnahme zu den erhobenen Kritikpunkten eingeräumt, um auch diese nicht einseitig dastehen zu lassen. 

Damit schließt die diesjährige Ausgabe von The Turn mit dem Thema »Mensch & Unmensch«, deren rechtzeitige Herausgabe aufgrund der Corona-Situation leider einige Verzögerungen erfahren hat, für die sich die Redaktion an dieser Stelle bei unseren Leser*innen entschuldigen muss. Nichtsdestotrotz ist dank der Beiträge der Autor*innen ein äußerst anregendes und vielschichtiges Bild zu diesem Thema entstanden, und auch wenn die einzelnen Artikel ganz unterschiedliche Ansätze und Betrachtungsweisen verfolgen, ob ethisch, theologisch, tiefenpsychologisch, mystisch, historisch oder kultur-evolutionär, so fügen sie sich doch nahtlos in einen sich gegenseitig ergänzenden Gesamtdialog ein, der getragen wird von jeder einzelnen Stimme und dem sich darin erhebenden Streben nach Wissenschaft und Erkenntnis, sich immer wieder aufmachend zu neuen Ufern – auf der Suche nach der Bedeutung des Menschen und seinem Wesen. 

Table of contents

Inhaltsverzeichnis

Experiment Human – On early concentration camp testimony (Experiment Mensch - Nach frühen KZ-Zeugnissen) - by Daniel Krochmalnik

doi: http://dx.doi.org/10.53100/thsvncghhg

The atrocities that the prisoners in the concentration and extermination camps actually suffered in the 20th century can hardly be understood by outsiders like us today, especially if one takes a closer look at the experiences of the survivors, who offer cruel testimony on the human beast. This is also the case with the concentration camp testimonies in Daniel Krochmalniks contribution, which tell of the deadly experiments of the so-called Overman and how he, inspired by the National Socialist master-race ideology, assumed an almost divine mission to exterminate everything human in his victims, so that death often seemed to be the only salvation. In view of such descriptions, which pervade the entire concentration camp literature, one inevitably has to ask oneself, as the author does, about the human condition and whether one can still place hope in people after all thisbecause the shocking experiences of the homo carceris in the concentration camps and gulags of the last century fundamentally shake the self-understanding of the human as a moral being, who can in fact transform into an angry beast at any time, especially under the influence of totalitarian systems of thought and rule as that Chapter »Homo homini lupus« shows. Nevertheless, in the end the author does not want to give up all hope in humanistic moral resources, even if the very existence of the »camp man« seems to contradict this. 

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The image of man in the creation narratives of the Bible (Das Bild vom Menschen in den Schöpfungserzählungen der Bibel) - by Birgit Zweigle

doi:http://dx.doi.org/10.53100/opqiirhjrhnmb

How self-images, the perceptions of others, and caricatures can fundamentally shape human existence and what role the image of man plays in the Bible are discussed by the author with her examination of the two creation narratives in Gen 1,1-2,4a and Gen 2,4b-3,24. After a brief introduction to the origins and the differences between the Priestly and Jahwist accounts of creation, she first analyzes the Priestly account, which focuses on the creation of the world as a whole. The idea expressed here of the human being as an image of God, which includes women and men equally, initially paints an exceedingly positive picture of people and the world, so that the author asks herself whether ultimately this story doesnt seem almost naive, since there is no evil in it at all and everything is given the predicate good. With this question she goes into the analysis of the second account of creation, which focuses more on the creation of man and describes him as a kind of »in-between being made of divine breath and matter«. Here it becomes clear that it is man who gives existence to evil by reaching for the fruits of the tree of the knowledge of good and evil without authority, obeying the voice of Satan more than that of God. This turns his salvific state into an unsalvific one, which according to this idea continues to this day. Divided into a before and after, the author examines this biblical account of the Fall in detail in order to summarize subsequently what constructive and destructive meanings can be read out of these two accounts of creation for our present image of man. 

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Animal rights – Jewish perspectives - by Ronen Pinkas

doi: http://dx.doi.org/10.53100/bvnmxbhgbhgjb

This article raises the question why is it that, despite Jewish tradition devoting much thought to the status and treatment of animals and showing strict adherence to the notion of preventing their pain and suffering, ethical attitudes to animals are not dealt with systematically in the writings of Jewish philosophers and have not received sufficient attention in the context of moral monotheism. What has prevented the expansion of the golden rule: »Love your fellow as yourself: I am the LORD« (Lev 19,18) and »That which is hateful to you do not do to another« (BT Shabbat 31a:6; JT Nedarim 30b:1) to animals? Why is it that the moral responsibility for the fellow-man, the neighbor, or the other, has been understood as referring only to a human companion? Does the demand for absolute moral responsibility spoken from the face of the other, which Emmanuel Levinas emphasized in his ethics, not radiate from the face of the non-human other as well? Levinas’s ethics explicitly negates the principle of reciprocity and moral symmetry: The I is committed to the other, regardless of the other’s attitude towards him. Does the affinity to the eternal Thou which Martin Buber also discovers in plants and animals not require a paradigmatic change in the attitude towards animals? 

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Hindu worldviews (Hinduistische Weltbilder) - by Liane Wobbe

doi: http://dx.doi.org/10.53100/nnmnozhfhqw

In Hinduism, animals are generally given great importance, which extends to religious worship; humans and animals have a special relationship to one another according to Hindu ideas, which is the subject of this treatise. To explain these in more detail, the author first offers an exemplary look into the understanding of the essence of humans and animals by explaining some important theological-philosophical foundations and terms of the Hindu religion and describing how the eternal divine, called brahman, relates to the world of matter, to humans and to animals. According to the idea, the divine self is the epitome of all living beings, so that the animals also have a soul which, out of respect for the divine, is to be treated with respect and dignity like humans. With this, Hinduism formulates a special animal ethic which, as the second chapter illustrates, considers humans and animals together, since both are, as it were, integrated into the rebirth cycle and subject to the principle of karma. Another aspect of the relationship between humans and animals is shown in the religious cult of the Hindus, which is the subject of the third and final chapter. Here the author goes into the numerous mythological and iconographic depictions of animals that are worshiped as symbols of the divine and that can ultimately also be understood as signs of the substantial bond between humans and animals. 

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The image of man in the Koran (Das Menschenbild im Koran) - by Mahdi Esfahani

doi: http://dx.doi.org/10.53100/zhgnvikgoljnj

This article provides an insight into Koranic anthropology and looks at the essence of man in his relationship with God. Here the author starts from the term insān as one of several terms for »man« occurring in the Koran, which, according to the representation of the Arabic lexicographer al-Ḫalīl ibn Aḥmad al-Farāhīdī (d. ca. 791) in the Kitāb al-ʿain, refers back to the three-radical root nsy with the basic meaning »forget«. With the term insān al-ʿain, literally »the man of the eye«, which in Arabic denotes the pupil, he shows that seeing, perceiving and cognizing are essential characteristics of human beings which, on closer examination, include forgetting, since human beings can only see and recognize what they are actually looking at, while everything else is inevitably forgotten. The author considers this meaning in the context of some fundamental verses of the Koran, which clarify the complex dimensions of the human being in his relationship to God and the world, in order to finally show that man is capable of assuming the highest and lowest levels of being, depending on his degree of perception and knowledge. 

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The known unknown: Revelation and the unconscious (Das bekannte Unbekannte: Offenbarung und das Unbewusste) - By Nora Schmidt

 doi: http://dx.doi.org/10.53100/plyxcvfdgr

With this essay, the author attempts a depth-psychological interpretation of knowledge of religious revelation by examining two narrative parables (amṯāl) from the Koran on the subject level, which in Sura 36 and Sura 18 belong to the oldest Koranic examples listed under the generic term maṯal. Following in the footsteps of Eugen Drewermann, who with his work Tiefenpsychologie und Exegese opened the doors wide for a depth-psychological interpretation of the Bible and at the same time rejected the promise of salvation of historical-critical interpretations, the author also goes into the wide field of the unconscious to uncover mental images of individuation processes hidden behind the often allegorical Koranic experiences of revelation. In the context of psychoanalysis and with a view to the genre of the maṯal, she discusses the epistemic function of parables, as they also appear in the Old and New Testaments, and describes them as a special form of teaching that, due to its pictorial nature, always reveal an »abyss to not-knowing«. The aim of the parable is therefore not to convey a predetermined and teachable knowledge; rather the intended act of understanding lies in not knowing or the unconscious, so that psychological developments can be set in motion on the basis of subjective human experiences and inner processes can be made recognizable. Using the example of the parable from Sura 36, she also shows that a depth-psychological interpretation is likewise a part of the Islamic exegesis tradition, especially if one takes into account the Sufi commentaries, which also contain interpretations on the subject level, as can be seen in the Tafsīr of Pseudo-Ibn ʿArabī from the 12th century. 

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Adam as vicegerent of God in the mystical doctrine of Ibn ʿArabī (Adam als Stellvertreter Gottes) - By Michael Nestler

doi: http://dx.doi.org/10.53100/nstlvyhcyf

Ibn ʿArabī is considered to be one of the best-known and most influential mystics within the Islamic tradition with an extremely extensive and complex oeuvre, which to this day has been the subject of numerous studies in both East and West. The present contribution is also dedicated to one of these writings, namely the work Fuṣūṣ al-ḥikam, and examines in the chapter on Adam his role as a vicegerent of God (ḫalīfat Allāh), who in Ibn ʿArabīs mystical doctrine of being is ascribed the status of a »perfect human« (al-insān al-kāmil). Starting from Q 2:30-34, where Adam is presented as ḫalīfat Allāh, the author presents a precise textual analysis of this first chapter in Fuṣūṣ al-ḥikam based on three levels of relationship which Adam has to the world, to the angels and to God, showing how the perfection of Adam can be recognized and measured. In Ibn ʿArabī, Adam is by no means only considered to be the first man and forefather of mankind, as one could claim for the Koran and the Bible; first and foremost, he embodies the prototype of man or the essence of human being itself, which basically has the ability to manifest the attributes of God in such a way that it can attain the status of perfection and vicegerency. This fundamental potential testifies to a special human dignity, which is already expressed in the Koran using the figure of Adam and which is also the subject of this study. 

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Adam – the first man or symbol of mankind? (Adam – der erste Mensch oder Symbol der Menschheit?) - By Maassouma Dabbous

doi: http://dx.doi.org/10.53100/zbcnbtryuigjnh

Using the example of the Koranic Adam, this study investigates the extent to which the concept of evolution and the religious conception of human creation can be reconciled and what consequences such an encounter would have for theological perspectives. The focus is on the religious narrative of the creation of Adam, which, according to the Koran, arose from earth or clay, animated by the Spirit of God. The author subjects this narrative to a cultural-evolutionary interpretation that no longer understands Adam as the first human, but as a representative of a new type of human who, in the Neolithic age, followed the way from a previously nomadic to a sedentary way of life characterized by agriculture and cattle breeding. According to this interpretation, there must have been generations of people before Adam, an idea that is not fundamentally alien to the Islamic culture of thought, because the idea of a pre-Adamite human being is the subject of individual writings and traditions, as the author makes clear. In addition, her comparison with the creation myths of other cultures shows that Adam can also be understood from the Koranic point of view as a generic term for primitive man. 

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Buchrezension: Frühgeschichte des Islams (Asghar Montazeralqaim)

Mohammad Gharaibeh (Rezensent)

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