Bericht über die Veranstaltung „Interreligiöser Dialog“

Aktuelles vom Institut…

Am 17.3.2023 veranstaltete die Stiftung für Islamische Studien (SIS) in Kooperation mit dem Al-Mustafa einen Interreligiösen Dialog. Im Zuge dieses dieser Online-Veranstaltung gelang es u.a., im gegenseitigen Respekt über das Thema „Was ist der vollkommene Mensch?“ zu diskutieren und Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu verdeutlichen.

Prof. Ephraim Meir, Präsident der Internationen Rosenzweig Gesellschaft, der das Thema des vollkommenen Menschen aus der jüdischen Perspektive beleuchtete, machte zunächst deutlich, dass nach dem jüdischen Glauben nur Gott bzw. Allah vollkommen ist – der Mensch sei lediglich verbesserungsfähig, könne aber nie die Vollkommenheit erreichen. Daher habe er seinen Vortrag unter den Titel „Der dialogische Mensch aus jüdischer Perspektive“ gestellt. Die Beziehung zu Gott findet nach dem Judentum demnach in Kontakt zu anderen Menschen statt. Im Folgenden entfaltete Prof. Meir seine dialogische Theorie. Der vollkommene Mensch ist demnach der dialogische Mensch. In unserer Welt voller Gewalt werde der dialogische Mensch gebraucht. Inspiriert werde die dialogische Theorie von den jüdischen Denkern Martin Buber, Frank Rosenzweig, Emmanuel Levinas und Abraham Joshua Heschel. Von Buber stamme u.a. der Satz, dass die Beziehung zu Gott in der Beziehung zu anderen Menschen stattfindet. Buber gehöre zu einer wachsenden Bewegung von relationalem Denken, in dem das getrennte Selbst als eine abstrakte Konstruktion betrachtet wird. Von Franz Rosenzweig komme der Gedanke der wesenhaften Einheit aller Sprache und dass wir in jedem Gespräch übersetzen. Von Abraham Joshua Heschel stamme der Ausspruch, dass keine Religion eine Insel ist. Religion sei um Gottes willen da, Religion um der Religion willen sei Götzendienst. Weiterhin zitierte Prof. Meir von Heschel, dass „jeder Gott, der der meine ist, aber nicht der deine“ ein Götze sei. Den Beitrag von Emmanuel Levinas zu dialogischen Beziehungen sieht Prof. Meir in seiner Auffassung von der Andersartigkeit. Die unendliche Forderung vom Antlitz des Anderen durchbreche die eigene Totalität. Prof. Meir erläuterte im weiteren Verlauf seines Vortrags die „Trans-Differenz“ als die Möglichkeit, das Gleiche und das Andere zusammenzuführen. In der Trans-Differenz erkenne man das Partikulare an und gelange darüber hinaus. In der dem Vortrag angeschlossenen Frage- und Antwortrunde warf Pfarrer Massalsky die Frage auf, wie es mit der dialogischen Theorie in der Praxis aussieht, woraufhin Prof. Meir seine eigenen Bemühungen zum Dialog schilderte.

In seinem Vortrag „Aspekte christlicher Anthropologie aus katholisch-theologischer Perspektive“ machte Prof. Dr. Hans Otto Seitschek von der LMU München deutlich, dass sich die christliche Anthropologie an der Bibel, dem Alten und Neuen Testament und der Peson Jesu Christi orientiert. Christus sei der beispielhafte, vorbildliche Mensch. Er ist der neue Adam. Als erlöste Menschen sollen die Menschen ihm nachfolgen und gleich werden. Prof. Seitschek ging zunächst auf die Erschaffung des Menschen ein. Dem Schöpfungsbericht zufolge erschuf Gott den Menschen alls sein Bild. Durch den Sündenfall habe sich der Mensch jedoch von Gott entfernt, weshalb es eines Erlösers bedurfte. Durch die Menschwerdung Gottes erlöst der Herr selbst sein Volk von Sünden. Das Kreuzesopfer Christi ist das Sühneopfer für die Schuld der Menschen, das Gott aus Liebe zu ihnen leistet. In Christus opfert sich Gott selbst. In Christi Auferstehung von den Toten am 3. Tag erschaffe Gott den Menschen in Christus neu. Christus wird der neue Adam. Christus gibt sich den Menschen als Beispiel vor, im Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Als zentrale Botschaft des Evangeliums stellte Prof. Seitschek die Auferstehung heraus. Unter Hinweis auf die theologischen Positionen des hl. Paulus, des hl. Augustinus des hl. Thomas von Aquin und von Romano Guardini erläuterte Prof. Seitschek im weiteren Verlauf den Menschen als eine von Gott geschaffene, freie Person aus katholisch-theologischer Perspektive. Der Mensch ist demnach Gottes Geschöpf, Subjekt und Person. Der Mensch sei frei, keine Marionette Gottes. Durch die Sünde sei er in Schuld gefallen und bedarf der Erlösung. Seine Erlösung finde der Mensch in Christus, dem vorbildlichen Menschen. Die Verwirklichung des vollkommenen Menschen sei der in Christus erneuerte, erlöste Mensch. Dem Vortrag von Prof. Seitschek folgte eine Frage- und Antwortrunde und danach eine Pause.

Aufgrund technischer Probleme wurde der Vortrag von Prof. Mahdi Esfahani mit dem Titel „Gottes Stellvertreterschaft auf Erden und seine Namen“ nach der Pause vorgezogen. Anfangs machte Prof. Esfahani sein Verständnis von Dialog deutlich, nach dem es dabei um den Dialog von heiligen Texten, die von Menschen gelesen werden, deutlich. Anschließend verwies er auf den Koran, wo (in Sura 2,30 ff.) ein Gespräch Gottes mit den Engeln geschildert wird. Darin informiert Gott die Engel, dass Er einen Stellvertreter (Khalifa) auf Erden einzusetzen gedenkt. Die Stellverteterschaft beziehe sich auf die Erde, so als ob Gott dies betonen wollte. Die Engel fragen nach dem Grund und äußern die Befürchtung, dass dieser Blut vergießen könne. Gott verweist in Seiner Antwort auf ihre Einwände, dass Er wisse, sie jedoch nicht wissen. Es scheint demnach mehr die Stellvertretschaft im Hinblick auf die Macht und das Wissen Gottes zu sein, die bei den Engeln Befürchtungen auslösten. Die Schöpfung sei ein Akt des Sprechens. Gott fordert die Engel danach auf, sich vor dem ersten Menschen niederzuwerfen – alle, bis auf Iblis (ein Jinn, der unter den Engeln war), werfen sich vor dem Menschen nieder. Adam als der erste Mensch habe von Gott ein Wissen erhalten, das auf Gott selbst hinweise. Gott habe Adam alle Namen beigebracht. Adam besitze ein besonderes Wissen, das ein Zeichen sei, das auf Ihn hinweise. Gottes Wissen sei umfassend, was das Wesen des Wissens sei. Gott lehrte Adam alle Namen. Adam sei beigebracht worden, wie er in jedem Wort ein Zeichen hin auf Gott sehen könne. Die Engel wüssten diese Namen nicht, was auf den Rang des Menschen hinweise. Adam sei nicht nur der erste Mensch, sondern auch der erste Prophet. Sein Rang und seine Stellung werde an der Niederwerfung der Engel vor ihm deutlich. Der Mensch repräsentiere das Wissen Gottes, die Ebenbildlichkeit zeige sich in der Repräsentanz Gottes. Es sei aber nicht selbstverständlich, dass die nachfolgenden Menschen den Rang Adams auch erreichen.

Nach einer dem Vortrag folgenden Frage- und Antwortrunde folgte das Referat von Dr. Dejan Azdajic mit dem Titel „Die Wiederherstellung aller Dinge – der vollkommene Mensch aus christlicher Perspektive“. Azdajic machte in seinem Vortrag die Bedeutung der Verbindung der Imago Dei-Lehre mit der christlichen Trinitätslehre für den vollkommenen Menschen aus christlich-evangelikaler Sicht deutlich. Gott sei die Liebe und durch die drei göttlichen Perrsonen sei Gott auch vor der Schöpfung nie allein gewesen. Die Liebe war demnach schon perfekt vor der Schöpfung vorhanden. Gott habe den Menschen als sein Abbild, ja als sein Ebenbild erschaffen. Dadurch wollte Gott eine Erweiterung der Liebe – eine perfekte, lebendige Beziehung zu den Menschen. Der Teufel in Gestalt der Schlange verführte aber den Menschen. Die Ursünde des Menschen sei es, dass er sein wolle wie Gott. Nach dem Sündenfall versteckten sich die Menschen vor Gott, sie haben Angst. Die Angst der Menschen vor Gott sei eine Folge der Sünde. Sie wüssten, dass sie mit der die Beziehung mit Gott zerstört hätten. In der Folge mussten die Menschen das Paradies verlassen. Die Hoffnung war, dass Gott einen Befreier, einen Erlöser senden würde, der den Kopf der Schlange zertreten würde. Es musste Blut vergossen werden, um die Sünde zu tilgen. Durch den gesandten Erlöser und den Glauben der Menschen an ihn werde der Mensch wieder mit Gott versöhnt.

Nach einer längeren Gesprächsrunde wurde die Veranstaltung um 19:30 beendet.

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