Bericht über Monatsvortrag Zukunft der islamischen Zivilisation

Aktuelle Veranstaltung des Instituts…

Dr. Daniel Hildebrand: Aufstieg und Fall der Zivilisationen

Dr. Hildebrand ging in seinem Vortrag zunächst auf die Bedeutung von „Zivilisation“ ein. Seiner Meinung nach sollte die heutige Zivilisation im Kontext von Gesellschaft, Wirtschaft und Technologie untersucht werden. Bei der Etymologie des Wortes „Zivilisation“ stellte er fest, dass der Begriff der „Erleuchtung“ heute eine wichtige Rolle in der Zivilisation spielt. Während der historischen Ereignisse nach der Revolution der Moderne nehme der Zivilisationsbegriff eine soziologische und strukturalistische Form an: Zivilisationen werden in zwei Gruppen eingeteilt, säkulare und nicht-säkulare. Als ein Beispiel für eine der säkularen Zivilisationen nannte er die moderne europäische Zivilisation, die antiken Zivilisationen – wie die antike griechische Zivilisation – gehören zu den nicht-säkularen Zivilisationen.

Dazu sollte das Konzept der islamischen Zivilisation im Lichte dieser Einführung untersucht werden. Die islamische Zivilisation habe im Laufe der Geschichte verschiedene Formen angenommen. Manchmal – mit der Dominanz des Rationalismus und manchmal mit der Dominanz der Jurisprudenz und der Scharia – habe sie unterschiedliche Erscheinungsformen gezeigt. Die islamische Zivilisation sei eine der Zivilisationen, die mit dem Aufkommen des Islam eine grundlegend strukturierte und neue Form angenommen habe, die sich im Laufe der Geschichte – wie wirtschaftliche Unterdrückung, Lernen von Wissenschaft und Lebensstil – verfolgen lasse. In der islamischen Zivilisation seien Elemente wie wirtschaftliche Solidarität nicht der einzige Faktor bei der Entstehung der Zivilisation, aber sie können auch als Ursache für ihre Beständigkeit und Stabilität gelten. Ein Beispiel für die Kultur der Zufriedenheit und der Mäßigung in der islamischen Kultur und Zivilisation sei die Entstehung des Wirtschaftssystems der islamischen Zivilisation.

Dr. Hildebrand kam zu dem Schluss, dass „eine Zivilisation niemals besser als ihre Menschen sein kann und die Menschen niemals besser als ihre Zivilisation sein werden“. Er erklärte, dass der Grund dafür darin besteht, dass Zivilisation immer das Ergebnis des Lebens ist. Die Aktivität der Menschen wird geformt und dies könne in der islamischen Zivilisation gesehen und verfolgt werden.

Dr. Markus Fiedler: Islamische Zivilisation

Dr. Fiedler führte aus, dass man zunächst die Begriffe “Kultur” und “Zivilisation” definieren müsse, da eine solche Definition darüber entscheide, auf wann man den Beginn der islamischen Zivilisation ansetzt – und auch darüber, ob man heute noch von einer islamischen Zivilisation sprechen könne. Er machte darauf aufmerksam, dass der englische und französische Sprachgebrauch für „Kultur“ und „Zivilisation“ nicht dem deutschen entspreche.

Bezugnehmend auf Max Weber und Kant führte er aus, dass die Zivilisation nicht die innere Moralität des Einzelnen und seiner Gemeinschaft betreffe, sondern sich auf die daraus entstandene äußere Ordnung einer Gesellschaft beziehe. Der Begriff „Zivilisation“ sei etymologisch auf das französische „civilisation“ zurückzuführen, die Wurzel könne weiter auf das lateinische Wort civis zurückgeführt werden, was einst den römischen „Bürger“ bezeichnete. Wenn man civis als den Bürger betrachte, so erbaue diese Bürger eine Stadt, civitas. Und diese Stadt bedarf einer Ordnung und eines Gesetzes, da ansonsten Chaos und Anarchie herrschen würden. Zivilisation definierte er im Folgenden eine Ordnung in der menschlichen Gesellschaft, die auf der Basis von Wertideen, die ihnen die rationalisierten sinnstiftenden Systeme zur Verfügung stellen, basiert. Man könne sehen, dass die Kultur der Zivilisation vorausgeht bzw. dass jede Zivilisation ursprünglich auf einer Kultur aufbaut. Kultur sei von Religion nicht nur nicht zu trennen, sondern die Religion stehe im Zentrum der Kultur.

Bei der Herausbildung der islamischen Zivilisation machte Dr. Fiedler auf die Situation in der Stadt Yathrib, wie das heutige Medina früher hieß, aufmerksam. Dort habe es vor dem Jahr 622 n. Chr. keine funktionierende Ordnung mehr gegeben, da kein einheitliches sinnstiftendes System mehr vorhanden war. Am 24. September 622 n. Chr. flüchtete der Prophet Mohammed heimlich von Mekka nach Medina. Mohammed band alle Konfliktparteien an einen Vertrag, die „Gemeindeordnung von Medina“. Damit einigte er die zerstrittenen Stämme und schaffte eine neue Ordnung – eine Ordnung, die auf dem Gesetz Allahs basiert.

Mit der Hedschra im Jahr 622 beginne daher nicht nur die islamische Zeitrechnung, sondern es sei auch eine islamische Zivilisation entstanden – mit der Entstehung einer neuen, nach den Gesetzen des Islams funktionierenden Ordnung. Anschließend stellte er den überwältigenden kulturellen Aufschwung der Wüstenaraber nach dem Auftreten des Islam dar, der auch als „arabisches Wunder“ bezeichnet worden ist. Nach der von Dr. Fiedler zugrunde gelegten Definition müsste man das Ende der ersten islamischen Zivilisation auf das Jahr 1258 n. Chr. – der Eroberung Bagdads durch die Mongolen festlegen. Als zweite islamische Zivilisation bezeichnete er das Osmanische Reich von 1299-1922 n. Chr.

Er wandte sich auch der Frage zu, ob man den schiitischen Iran als eine weitere islamische Zivilisation bezeichnen könnte und bejahte dies. Von einer einheitlichen islamischen Zivilisation könne man aber seit dem Ende des Osmanischen Reiches nicht mehr sprechen, hier sei die Bezeichnung „islamischen Kulturkreis“ präziser, da keine einheitliche Ordnung existiere, die Ordnungsvorstellungen seien unterschiedlich, zum Teil mit der „kulturellen Moderne“ des Westens verbunden, es existierten unterschiedliche Auffassungen über die Scharia, das Islamische Recht und deren Anwendung.

Prof. Dr. Esfahani:

Islamische Zivilisation oder Zivilisation der Muslime?

Nach einer etymologischen Analyse des Zivilisationsbegriffs verwies Dr. Esfahani auf die Begriffe „Bürger“ und „Stadt“. Er sagte, die Stadt bezeichne eine Zivilgesellschaft, die öffentlich-rechtlich zusammenlebe, und ein Bürger sei jemand, der Mitglied dieser Gesellschaft sei und daher Rechte habe. Die Bürger einer Stadt hätten gemeinsame Interessen und die Bürger lebten im idealen Sinne in Frieden und Sicherheit in der Stadt. Mit anderen Worten sei es das Ziel der Stadt, Frieden zu erreichen.

Und genau das würden wir in den Versen des Koran als Ziel der islamischen Zivilisation finden. Der Mensch finde seinen Frieden im Gedenken an Gott. Im engeren Sinne geht es beim Aufbau einer Gesellschaft darum, dass die Menschen eine Gesellschaft errichten, in der die Menschen in Frieden Gott gedenken könnten. Diese islamische Zivilisation sei in der Geschichte nur in der Zeit des Propheten von 622 n. Chr. bis zu seinem Tod verwirklicht worden. Da bei den Nachfolgern oft Ungerechtigkeit herrschte, könne man diese Staaten nicht mehr als islamische Zivilisation bezeichnen.

Anschließend untersuchte Prof. Esfahani die Bedeutung und den Ursprung des Wortes „Zivilisation“ im Arabischen. Er wies darauf hin, dass Medina der Name sei, den der Prophet der Stadt Yathrib gegeben hat. Es sei hier wichtig zu beachten, dass Medina mit der Bedeutung von „Befestigung“ und „Schutz“ verbunden ist – Medina sei ein Ort, an dem der Mensch Sicherheit finde.

Er erwähnte weiter, dass der Islam auf fünf Prinzipien basiere – Gebet, Zakāt, Fasten, Hajj und Wilayah; und Wilayah sei in dieser Hinsicht von besonderer Bedeutung. Wilayah sei das, was die islamische Zivilisation ausmacht. Die Strukturen der Wilayat bezeichneten ein Individuum, das die Beziehung zwischen Menschen und Gott regele und erwähne.

Die Bedeutung der islamischen Zivilisation sei, dass sie zu Gott führen solle. Im nächsten Abschnitt untersuchte Dr. Esfahani den historischen Trend der islamischen Zivilisation seit der Zeit des Propheten und während der Zeit der Kalifen der Umayyaden und Abbasiden. Basierend auf dieser Analyse zeigte er auf, dass es nach dem Ableben des Propheten keine islamische Zivilisation mehr gab, wenn das Kriterium der Zivilisation die Möglichkeit ist, göttlichen Frieden und göttliches Gedenken zu erreichen. Daher könne man in der Zeit nach dem Propheten in diesem Sinne nur von einer Zivilisation der Muslime sprechen.

Während der Islamischen Revolution im Iran 1979 wäre es das Ziel gewesen, eine Art islamische Zivilisation zu gründen. Man versuchte, dieses Ziel durch Unabhängigkeit, Freiheit und die Islamische Republik zu erreichen. Am Ende werde über die Zukunft der islamischen Zivilisation mit der Ankunft von Imam Mahdi (as) entschieden und der Referent stellte die wirksamen Elemente dieses Wiedererscheinens dar.

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